Dank

Suhr, 15. 08. 2021

Vor zwei Wochen haben wir gemeinsam getrauert, geweint und getanzt und mit Lottes Geist unter uns das Leben auf der Wiese und in den Zelten gefeiert. Vier Wochen ist es her, dass Lottes Herz das letzte Mal schlug. In Suhr unter den Nussbäumen an der Bachstrasse haben wir eine neue Zeitrechnung: Ein Davor und ein Danach, in dessen Mitte Lottes Tod, und nun das Leben, das weiter fliesst.

Unsere Zeremonienmeisterin Dorothee hat uns aufgefordert, Lotte im Abschied so präsent wie nur möglich zu haben. Ihre Präsenz hat uns seither immer wieder überwältigt. In den geteilten Erinnerungen, im geteilten Schmerz, in den vielen kleinen Spuren ihres Seins und Wirkens, Lotte ist bei uns. In den Tagen seit ihrem Tod ist das Staunen gewachsen über dieses reiche, erfüllte Leben. Man würde es gerne zeichnen, das grosse Netz aus Beziehungen und Bewegungen. Die Stränge, Bänder, Fäden, durch die Lotte mit dem Leben verbunden war – waren sie eine Art Pilzgeflecht? Ein Geflecht, das Menschen und Orte miteinander verbunden hat, ein Geflecht, genährt durch ihre Lebenslust und Liebe. Diese ihre Energie ist auch jetzt präsent. Das Geflecht wächst weiter. Wir erleben, wie sich alter Hader gelöst hat, Beziehungsfäden wieder geknüpft wurden, lange verborgener Schmerz geteilt werden konnte.

An der Abschiedsfeier und auch in der Zeit der Vorbereitung haben wir noch etwas anderes erfahren: Erst zusammen sind wir vollständig. Das Gedicht von Giovanni Pascoli über die gestürzte Eiche, das für uns lebendig wird, weil Martin es in sich aufbewahrt und geteilt hat. Drei Frauenstimmen, die den Raum erweitern und dem Schmerz einen Ort geben, an dem er sich verwandeln kann. Zwei Instrumente, eine Wanderung im Zwiegespräch, wir wurden mitgenommen. Ein Dorf auf der Wiese bauen und dort geborgen sein.

Damit sind wir schon mitten im Danken:

Danke dem Spitalteam in Winterthur. Auf der Intensivstation sind unsere Familie und viele Freunde zusammen gekommen. Wir haben bei Lotte gewacht, gesungen und sie auf ihrem Weg aus dem Leben in den Tod begleitet. Wir waren viele, wir haben lange und laut gesungen, wir haben die Räume genutzt und beschmutzt und vom Spitalteam grosse Anteilnahme und Beweglichkeit erfahren.

Danke dem Organisationskomitee mit Marie, Franca, Dani, Jonas, Anna-Tina und vielen nicht genannten Händen und Köpfen. Lotte hat das grosse Fest bekommen, das sie sich, wie wir nachträglich hörten, genau so gewünscht hat!

Danke Gerda und Jörg, eure Karte, die Eisenbahn ins paradiesisch Bunte hat uns daran erinnert, dass der Tod nicht nur Schmerz ist. Danke Oli und Elke. Ihr habt die Gestaltung bis zum Druck übernommen.

Danke Dorothee, Du warst uns allen eine verlässliche Zeremonienmeisterin, trugst den Stab von Jonas und Misha mit Würde und hast den geistigen Raum geschaffen, in dem unsere Gefühle und Gedanken aufgehoben waren. Der Segen trägt uns seither. Danke auch Andreas, Du hast die Kirche im Dorf gelassen und Bonhoeffer im Zelt mit uns geteilt.

Danke Lisa und Edmond, danke Marie und Boris, danke Matthias und Jana, danke «Rondom», danke «The Nozez» mit Tobias und danke «U Fiore» mit Mischa, Anna-Tina und Marie! Die Musik hat uns vom reissenden Schmerz in die weiche Trauer und dann in glückliche Bewegung geführt. Und Danke Kathrin, die die Lieder gesetzt und sie in einem Buch vereinigt hat. Danke Ruedi, der wo nötig sachte verstärkt hat. Daniela und Susanna: Danke für’s Anleiten beim Tanzen.

Danke Thomas, ohne das kleinste Zögern hast Du uns auf Deiner Wiese willkommen geheissen. Das Gras wurde getreten und gestampft von kleinen und grossen Füssen und hat sich wieder aufgerichtet.

Danke Sandra und Anna, die die Gemüseschätze von Nigglis und Jris und Regula und das Schaf von Jeremias in ein wunderbares Essen verwandelt haben, das uns zwei Tage genährt und gewärmt hat. Danke Sonam, die mit ihren Freundinnen ein paar hundert Momos geformt hat. Danke Simon, Georg und Boris: Wer noch hungrig geblieben wäre, für den hat der Backofen Pizzen, Focaccias und Zöpfe in Fülle geliefert. Was wäre Essen ohne Trinken, ohne den Wein von Guido und Marlen, ohne die Bar von Max? Danke für alle anderen Wein- und Bierspenden!

Danke für das Pfadfindermaterial der Mücks und Jakobs Strom und Licht und Francas Jurte voller Bilder. Bilder von Lotte und Bilder vom Abschiedsfest, danke Simon, Alex und viele mehr. Und danke Peter für die Webseite: Lotti-continua.ch.

Danke auch für die vielen Kuchen, deren Formen und Schüsseln noch immer bei uns warten. Schaut bitte unter lotti-coninua.ch: lost and found…

Danke für die Blumen – ein Meer an Grüssen für Lotte aus den Gärten, Wiesen und Äckern!

Danke Enrico und Alice für die von Rindern bewachte Urne, in der Lottes Asche darauf wartet, verteilt zu werden.

Wir durften so viel Hilfe entgegen nehmen, fanden Unterstützung. Danke Brigitte, danke Manuela, ihr habt der Werkstatt geholfen, durch die Tage zu kommen. Und Elke und Mane waren viele Tage für die Familien da als notwendige Stützen.
Kondolenzschreiben und Besuche gaben uns Kraft und Trost. Zusammen trauern geht besser als allein.

In Lottes Nähe zu leben, war die Lust auf Teilhabe. Lotte leben zu sehen, war Ansporn. Sich und den Mitmenschen Gutes tun, das Richtige zu machen, die Kräfte der gemeinsamen Zukunft zu widmen.

So bleiben viele Erinnerungen, Bilder, wir werden sie weiter teilen auf Lotti-continua.ch. Ein liebstes Bild von den Tagen auf der Wiese: Die vielen Kinder, glücklich und geborgen in der grossen Gemeinschaft auf Zeit.

Zusammen Kirschen klauen, gemeinsam kochen, sich ins Wasser stürzen. «Chömmed, das mache mer jetzt!», sagte Lotte oft und nie vergeblich – lotti continua!

Mark Wilhelm